Das Zeitalter der Bilder

Bild und Text stellen seit langer Zeit zwei gegensätzliche Kategorien dar, die die Medienlandschaft nach der von Horaz Kunst der Poesie übernommenen These unter sich aufgeteilt haben: Ut pictura poesis. Diese klassische Vorschrift zur Wissensvermittlung ist heutzutage ins Wanken geraten. Die Tonaufzeichnung, durch die eine mündliche Überlieferung gegenüber der Schrift rehabilitiert wurde, hat die Welt des Textes gespalten. Die Schrift hat, dank der modernen Reproduktionsmittel (Lithografie, Fotografie, Fotokopie, Digitalisierung), mittlerweile Geschriebenes an die Seite von Bildern gesetzt. Die Welt der Bilder ist zweigeteilt in statische, stumme Bilder und animierte Bilder, die an eine Erzählung gebunden sind. Schliesslich scheint die Bindung an die Sprache das unterscheidende Element zu sein und reaktivert damit die alten Gegenpole Lessings zwischen der Kunst der Zeit und der Kunst des Raums. In diesem neuen Umfeld, in dem das Buch Konkurrenz von der (Internet-) "Site" erhält, scheint es seinen Wert mehr der symbolischen Wirksamkeit seiner Stofflichkeit zu verdanken als der Besonderheit seines Inhalts.